Rückblende Teil 1: Leben und Arbeiten bei der UN

Ohne lange über zu meinen Rückstand im bloggen zu lamentieren, möchte ich versuchen, einige der Schlaglichter der letzten Wochen darzustellen.

Hier der erste Teil meiner Rückblende über meine Arbeit bei einer UN Organisation.

UNITAR, United Nations Institute for Training and Research, dort war ich von Oktober bis Januar beschäftigt. Ich bewarb mich im Mai/Juni, als klar wurde, dass wir gemeinsam nach Genf gehen werden, um ein Praktikum. Wohlwissend, dass es „unpaid“, also unbezahlt ist, freute ich mich rießig über die Zusage. Ich weiß noch wie heute, wie ich mit Handy in der Hand durch die Wohnung in der Laubestraße tanzte und Christian die freudige Nachricht überbrachte.

Ich war damals noch der festen (naiven) Überzeugung: Ich habe nun einen Fuß in der Tür, ich werde einen Job bei der UN oder einer NGO finden und Karriere machen.

Im Hinterkopf hatte ich die guten Arbeitsbedingungen des CERN (immerhin ja auch eine internationale Organisation): Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeit, verhältnismäßig viel Urlaub und steuerfreies Gehalt. Das muss doch bei der UNO auch so sein. Um das vor weg zu nehmen: Rein formal ist das auch so.

Am 01.10. hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Ich hatte eine wunderbare, nette Betreuerin, die über mein ausbaufähiges Englisch hinweg sah und sich wirklich gut gekümmert hat. Ich bekam die Möglichkeit, umfangreiche Online-Trainings zum Instructional Design zu machen und hatte genug Freiheiten, um mich selbst weiterzubilden.

Im Laufe der Zeit wurden mir die Freiheiten aber ein wenig zu „frei“, die Betreuung fiel weg (aus Überlastung der Betreuerin, sie verdient hier keine Kritik, sondern Mitgefühl, dass sie so viele Praktikanten betreuen muss) und meine Arbeit an der vorgegebenen Aufgabe wurde nach zwei Monaten für redundant erklärt, denn eine andere UN Organisation arbeitet da wohl auch bereits dran. Anerkennung oder Kritik gab es nicht, man arbeitete im luftleeren Raum, wohlwissend, dass die Arbeit nur für die Schublade ist.

Aussicht auf Übernahme in der Abteilung gibt es nicht, denn es gibt nur 2 richtige MitarbeiterInnen und die anderen sind Trainees (0 CHF) oder Individual Contractors (Gehälter weit unter dem Schweizer Mindestlohn, damit auch nicht wirklich attraktiv).

Die anderen Trainees machen zum Teil das dritte Praktikum dieser Art (selbstredend sind das dann aber auch Kinder entsprechend vermögender Eltern, die das finanzieren können – nicht immer das angenehmste Klientel), sprechend mindestens 4 Sprachen fließend, waren schon in afrikanischen oder arabischen Ländern in der Entwicklungshilfe tätig und haben damit garantiert höhere Chancen auf Stellen, als eine Mutter aus Ostdeutschland mit holprigem Englisch.

Zusammengefasst: So ein Praktikum ist als Investment in den Lebenslauf zu betrachten.

Ich hatte das Glück mit einer wahnsinnig tollen und netten Kollegin (auch Trainee) zusammenzuarbeiten. Wir bauten uns in Motivationstiefs auf und gaben uns gegenseitig Job Anzeigen weiter. Wir hatten viel Spaß und funktionierten super miteinander. Sie sprach ziemlich perfekt Englisch, ich konnte viel von ihr lernen. Französisch lernten wir gemeinsam (obwohl sie mich ziemlich schnell abhing, da sie in einem französischen Umfeld lebte und ich ab 15:00 Uhr wieder in meiner deutschen Welt zurück war).

Auch die anderen Trainees waren super, zweifelsfrei tolle, interessante Menschen. Ich bin sehr froh, sie kennengelernt zu haben.

Dennoch blicke ich mit einem Hauch von Groll auf das Praktikum zurück. Das System ist heuchlerisch und ungerecht. Praktikanten verdienen nichts, Individual Contractors zum Teil über Jahre nur einen Bruchteil der Lebenserhaltungskosten in Genf und die UN MitarbeiterInnen schleppen im Monat zum Teil so viel Geld nach hause, wie andere in Dresden im Jahr nicht erarbeiten.
Es gibt wenig Anerkennung oder kleine Aufmerksamkeiten, Personalentwicklung findet nicht statt und es wird ein enormer Druck ausgeübt (das trifft alles sicher nicht auf alle Institutionen zu, aber auf meine).

Offen gesagt, ich habe dem Druck nicht wirklich gut standgehalten. Schon in meiner dritten Arbeitswoche wurde Gustav krank. Christian konnte nicht so lange zu Hause bleiben, also versuchte ich abends, morgens und während des Mittagsschlafes zu arbeiten, um genauso gut wie meine „Fulltime-Kollegen“ zu sein. Schnell kam das Gefühl niemandem gerecht zu werden, nicht Gustav, nicht Christian und auch nicht der Arbeit. Ich zweifelte so sehr, dass das auch nicht spurlos an unserem Familienleben vorbeiging. Aber ich wollte es schaffen, ich schaffte es auch, zweieinhalb Monate lang.

Nach zweieinhalb Monaten trugen meine Bemühungen Früchte und meine Bewerbung an der PH Bern wurde angenommen.
Ich brach also meine Zelte ab und freue mich nun auf die neue Aufgabe in Bern. Paid.

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